„Vom Schulgarten auf den Teller“

In drei Stunden vom Beet frisch auf den Tisch – das funktioniert nur, wenn alle anpacken und mitmachen, so wie etwa am vergangenen Freitag an der Villinger Warenbergschule. Die Viertklässler unter der Leitung von Schulsozialarbeiter Achim Grabert nahmen sich vor, ihr Mittagessen an diesem Tag selbst zu kochen, und das nur aus selbst angepflanztem und selbst geerntetem Gemüse.

Ziel war es, mit einem Chili con carne, wahlweise auch ohne Fleisch, die gesamte Klasse zu versorgen. Dazu mussten zuerst einmal die im Mai angepflanzten Stangenbohnen, Kürbisse, Kartoffeln und der Zuckermais aus dem Azteken-Beet geerntet werden. Die Pflanzen waren dabei so angelegt, dass alle untereinander profitieren: Die Bohnen sammeln Stickstoff und geben diesen direkt durch den Boden an den Mais ab, der viel Stickstoff benötigt. Im Gegenzug bietet sich der Mais den Bohnen als Rankhilfe an. Die Kürbisse sorgen für Schatten und halten das Beet unkrautfrei. So lernen die Kinder schon früh, welche Vorzüge Mischkulturen haben und dass es zudem weder Dünger noch sonstige Zusatzstoffe braucht, um die Pflanzen anzubauen.

Das Beet als Teil des Schulgartens ist eines der Projekte der Warenbergschule, in denen alle Beteiligten Hand in Hand arbeiten: die Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler und Achim Grabert, seit 2016 Schulsozialarbeiter an der Schule. Auf den ökologischen Aspekt ist dieser besonders stolz, das Azteken-Beet sei „das ertragreichste aller Beete, hat durch den Nährstoffaustausch den fruchtbarsten Boden und sieht auch optisch toll aus“ – die Anbaumethoden stammen aus Südamerika und wurden schon vor eintausend Jahren so praktiziert.

Der Garten ist zudem integraler Bestandteil des Naturparkschulmoduls „Vom Schulgarten auf den Teller“ – ein Projekt im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung, dank dem die Warenbergschule unter anderem auch als „Naturparkschule“ ausgezeichnet wurde.

Die Beete helfen Grabert zudem in der Schulsozialarbeit, ein Gespräch an der frischen Luft sei optimal, um sich mit Schülern über Probleme auszutauschen, dafür schaffe der Garten eine schöne Atmosphäre. Zusammen etwas ernten schaffe zudem Gruppendynamik und trägt so zur Konfliktlösung bei – eine optimale Verzahnung von Schulsozialarbeit und Schulprojekten.

Doch auch abseits der Schulsozialarbeit hilft der Garten – beim Versorgen der knurrenden Schülermägen. Da zu viele Köche bekanntlich den Brei verderben, durften die Kinder in kleinen Gruppen abwechselnd schnippeln und kochen, so dass am Ende alle etwas zu essen hatten. Die Viertklässler waren mit Feuereifer dabei und bewiesen, dass Kochen kein Hexenwerk ist. Da die Zutaten aus Südamerika stammen, waren vor allem die lila Kartoffeln die Exoten in der Küche. Diese enthalten den natürlichen Farbstoff Anthocyan, der das Herz-Kreislaufsystem schützt und seien, so Grabert, „nicht nur optisch ein Hingucker, sondern auch gesund“.

Nachdem alles kleingeschnippelt und in den Topf gegeben wurde, musste noch abgeschmeckt werden. Nachdem die Schüler das Chili gut gewürzt hatten, fehlte zur Vollendung des „Klassenrestaurants“ nur noch der Service – die Teller und das Besteck mussten in das Klassenzimmer gebracht werden.

Nach diesen aufregenden und auch teils hektischen Stunden kam die Belohnung gerade recht – sichtlich zufrieden mit ihren Kochkünsten putzten die Viertklässler alles so gut wie leer und ließen den Schultag satt und gemütlich ausklingen.

von Lenny Münzer

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